Bergsport

Alpine Kletterrouten:

 

Die Berchtesgadener Berge haben eine lange Tradition im Bergsteigen und speziell im alpinen Klettern. Die Watzmann-Ostwand, Untersberg-Südwand, Göll-Westwand, Mühlsturzhörner etc. weisen viele klassische alpine Klettertouren auf. Insgesamt verteilen sich ca. 500 alpine Kletterrouten in den Berchtesgadener Alpen. Die meisten dieser Routen sind „klassisch“ mit Normalhaken versehen, bei den bekannteren „Klassikern“ finden sich an den Standplätzen Klebehaken. Zur sicheren Begehung der „klassischen“ Routen ist der sichere Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten bzw. Normalhaken zwingend erforderlich.

 

In den letzten 20 Jahren entstanden aber auch in den Berchtesgadener Alpen zahlreiche, mit Bohrhaken abgesicherte alpine Sportkletterrouten. Sie bieten Klettermöglichkeiten in allen Schwierigkeitsgraden. Viele Neurouten der letzten 10 Jahren weisen i.d.R. moderate Hakenabstände auf, während man bei den älteren Bohrhakenrouten mit weiteren Hakenabständen rechnen muss. Es gibt aber auch unter den modernen Routen einige Routen mit „sportlichen“ Hakenabständen.

 

Die Klettermöglichkeiten um Berchtesgaden verteilen sich auf 6 der 8 Bergmassive der Berchtesgadener Alpen. Im Hagengebirge und Steinernen Meer gibt es auf der Deutschen Seite keine bedeutenden Klettermöglichkeiten. Aber die Auswahl an den anderen Massiven reicht für ein ausgefülltes Kletterleben leicht aus.

 

Untersberg

 

Der den Berchtesgadener Talkessel auf der Nordostseite abgrenzende Untersberg bricht mit bis zu 250 m hohen Felswänden nach Süden ab. Am Untersberg wird schon seit über hundert Jahren geklettert, wie die vielen, heute aber kaum noch begangenen klassischen Routen beweisen. Der sagenhafte Berg hat seine Anziehungskraft auf die Kletterer aber bis in die heutigen Tage erhalten.

 

So wurden auf österreichischer Seite die Wände um den Salzburger Hochthron mit einem dichten Routennetz an gut abgesicherten Touren überzogen. Diese Touren weisen eine Besonderheit auf, denn man erreicht die Einstiege nur durch Abseilen von der Hochfläche. Diese wird wiederum bequem mit der Untersberg-Seilbahn erreicht.

 

Der Gegenpart auf deutscher Seite ist der Berchtesgadener Hochthron, auch seine Südwände wiesen ein dichtes Netz an Routen auf. Ca. 40 Routen in allen Schwierigkeiten und Absicherungsstilen führen durch die steilen rot-gelben Wände. Der Zustieg muss hier zu Fuß bewältigt werden, allerdings wartet kurz hinter den Ausstiegen ein kühles Bier auf der sonnigen Terrasse des Stöhrhauses.

 

Die Routen am Untersberg sind umfassend in den 2012 erschienen Kletterführer „Berchtesgaden Ost“, Koller/Sojer, Panico Alpinverlag, dargestellt.

 

Hoher Göll

 

Gegenüber dem Untersberg liegt mit dem Massiv des Hohen Gölls ein zweites alpines Kletterzentrum im Berchtesgadener Talkessel. Hier konzentrieren sich die Kletterrouten zum einen an der Westwand des Hohen Gölls, durch die zahlreiche klassische Routen führen. Hier befindet sich auch zwei der schwersten Kletterrouten der Berchtesgadener Alpen, die Route „Scaramouche“ der Huberbuam und seit 2014 die „Wetterbockwand“ von Alexander Huber. Das zweite Zentrum der Kletterrouten findet sich an den Süd- und Südwestwänden des Hohen Bretts, hier herrschen eher gut abgesicherte Plaisierrouten vor. Alle Kletterrouten am Hohen Göll befinden sich im Nationalpark Berchtesgaden.

 

Die Routen am Hohen Göll sind umfassend in den 2012 erschienen Kletterführer „Berchtesgaden Ost“, Koller/Sojer, Panico Alpinverlag, dargestellt.

 

 

Watzmann

 

Hier denkt man natürlich sofort an die höchste Wand der Ostalpen, die Watzmann-Ostwand. Aufgrund der schwierigen Routenfindung empfiehlt sich hier die Begehung mit einem Bergführer. Es gibt neben der Ostwand aber noch andere Klettermöglichkeiten am Watzmann. Sehr beliebt ist die „Kleine Ostwand“ auf die Mittelspitze, die Wiederroute, die den dritten Schwierigkeitsgrad nicht übersteigt.

 

Es gibt aber an der Westwand des Kleinen Watzmann zahlreiche lohnende „klassische“ Routen, die allerdings bis auf wenige Ausnahmen nur noch selten begangen werden. In den letzten Jahren wurden einige anspruchsvolle Sportkletterrouten im VIII./IX. Grad eröffnet. Alle Kletterrouten am Watzmann befinden sich im Nationalpark Berchtesgaden.

 

Leider gibt es derzeit keine aktuellen Kletterführer für das Watzmanngebiet. Im DAV Kletterzentrum Bergsteigerhaus Ganz in Bischofswiesen liegt ein Routenordner mit einer Zusammenstellung der Kletterrouten am Watzmann zur Ansicht auf.

 

Hochkalter

 

Rund um die Blaueishütte hat sich ein weiteres Kletterzentrum in den Berchtesgadener Alpen herausgebildet. Da sich viele Routen in den unteren Graden an den Wänden der Schärtenspitze, Rotpalfen und Schärtenwand verteilen, steht das Gebiet bei Kletterkursen hoch im Kurs. An der Ostwand des Routpalfen finden sich einige Sportkletterrouten der härteren Gangart, während in den plattigen Wänden des Kleinkalters in den letzten Jahren zwei gut abgesicherte Routen im VI. Grad erstbegangen wurden. Alle Kletterrouten am Hochkalter befinden sich im Nationalpark Berchtesgaden.

 

Auf der Homepage der Blaueishütte - www. Blaueishuette.de - ist eine Zusammenstellung aller Kletterrouten im Blaueisgebiet zugänglich. Außerdem liegen auf der Hütte und im DAV Kletterzentrum Bergsteigerhaus Ganz in Bischofswiesen Routenordner mit einer Zusammenstellung der Kletterrouten zur Ansicht auf.

 

Reiteralm

 

Das Massiv der Reiteralm weist die höchste Anzahl an Kletterrouten unter den acht Berggruppen um Berchtesgaden auf. Die Routen verteilen sich fast rundherum um die tafelbergartige Hochfläche. Vom Berchtesgadener Talkessel sind die Südwände der Reiteralm am Eisberg, Gerstfeld oder Grundübel- oder Mühlsturzhorn an einfachsten zu erreichen. Während man an den ersten beiden Gipfeln moderne, mit Bohrhaken abgesicherte Routen findet, herrschen an den „Hörnern“ noch die klassischen i.d.R. mit Normalhaken abgesicherten Routen vor. Wobei die Klassiker wie Grundübel- oder Mühlsturzkante an den Standplätzen mit Klebebohrhaken versehen sind. Die Routen an den Süd- und Ostwänden (auf deutscher Seite) befinden sich im Nationalpark Berchtesgaden.

 

Das eigentliche Zentrum der Reiteralm sind aber die Nordwände zwischen Übeleck und Alpawand. Hier findet man von mit Normalhaken abgesicherten Klassikern, über Technohämmer aus den 1970er Jahren bis hin zu gut abgesicherten Plaisierrouten (hier hat das Erschließerduo Amann / Brüderl ganze Arbeit geleistet) alles was das Kletterherz begehrt.

 

Etwas separiert von den sonstigen Nordwänden liegt die Alpawand. Diese früher berüchtigte Wand hat sich durch gut abgesicherte Routen des Erschließerduos Amann/Brüderl – vor allem im Hochsommer- zu einem der bedeutendsten Kletterzentren der Berchtesgadener Alpen entwickelt. Auf der Südseite der Reiteralm liegt noch ein weiteres lohnendes Ziel für Kletterer, die Südwände des Häuslhorns und des Wagendrischlhorns. Leider hat ein Bergsturz 2012 die klassische, beliebte Häuslhorn-Südwand zerstört und mit ihr noch drei weitere Routen.

 

Für die Routen an der Reiteralm gibt es derzeit keine aktuellen Kletterführer. Die neueren Routen sind auf den privaten Homepages von Brüderl bzw. Stadler abrufbar. Im DAV Kletterzentrum Bergsteigerhaus Ganz in Bischofswiesen liegt ein Routenordner mit einer Zusammenstellung der Kletterrouten an der Reiteralm zur Ansicht auf.

 

 

Lattengebirge

 

Das niedrigste Bergmassiv der Berchtesgadener Alpen weist nur wenig kletterfreundlichen Fels auf. Lediglich zwei Touren lohnen den näheren Blick für Kletterer. Die für Anfänger interessante Berchtesgadener Rinne (III) auf die Schlafende Hexe und für die Extremeren die mit Bohrhaken abgesicherte Route „Flower Power“ (VII) durch die einsame Ostwand des Törlkopfs. Das war es dann aber auch schon.

 

Im DAV Kletterzentrum Bergsteigerhaus Ganz in Bischofswiesen liegt ein Routenordner mit einer Zusammenstellung der Kletterrouten im Lattengebirge zur Ansicht auf.

 

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